Höchste Zeit, dass ich die Welt wieder mal mit ein paar Zeilen beglücke. Der schlechte Sommer und ein Hin und Her in allen Lebensbereichen haben auf meine Schreibstimmung gedrückt. Hoffe, dass ich bald meinen Schreib-Mojo wiederfinde. Dies ist der Anfang. Neu unter Links findet ihr die webcam vom Zoo Zürich, von den Elefanten. Sind sie nicht da, sind sie hier. Für alle die Semesterferien haben und den Schreib- und Lernmojo auch nicht gerade auf Höchststand haben. Für alle Armen, die arbeiten müssen und müssen werden, hier noch ein nützlicher Link mit Büro-Beleidigungen
Ihr kennt sicher fast Alle den Film “Fear and Loathing in Las Vegas”. Was ihr aber vielleicht nicht wisst, ist, dass der Film auf einem Buch von Hunter S. Thompson basiert, dem Erfinder des Gonzo-Journalismus. Doch was ist Gonzo-Journalismus?

Der Gonzo-Journalismus
Thompson erklärte den Gonzo-Journalismus als einen Schreibstil, für den das Talent eines wahrlich großen Journalisten, das Auge eines Künstlers und Photographen und die Eier eines Schauspielers fusionieren müssten. Es sollen sich reale Erlebnisse, soziale und politische Analysen mit fiktiven Geschehnissen, Polemik und Drogenvisionen mischen. Thompson und sein Gonzo-Journalismus wurde durch sein Buch “Hell’s Angels” 1967 international bekannt, in dem er seine Beziehung zu der damals weithin gefürchteten Rockergruppe schildert.
Interessanter aber finde ich die Person Thompson. Wie sein grosses Vorbild Hemmingway schoss er sich eine Kugel durch den Kopf, im 67igen Lebensjahr.
Am 20. Februar 2005 tötete sich Hunter S. Thompson an seinem Schreibtisch in Woody Creek mit einem Kopfschuss. Nach Aussage seines Sohnes Juan Thompson hatte der Schriftsteller seinen Selbstmord lange geplant und oft angekündigt. Er habe nicht aus Verzweiflung gehandelt, sondern zum richtigen Zeitpunkt abtreten wollen. Thompsons letztem Willen gemäß soll auf seinem Grundstück in Woody Creek, der sogenannten Owl Farm, ein 153 Fuß hohes steinernes Monument in Form der Gonzo Fist errichtet werden. In dieses Monument wird auch eine Kanone integriert sein, aus der Thompsons Asche bei einer Trauerfeier am 20. August 2005 [1] in die Luft geschossen werden soll. Finanziert werden soll dieses Projekt von Freunden des verstorbenen, ua. von Johnny Depp, der die Rolle von Thompson im Film Fear and Loathing in Las Vegas gespielt hatte.
Über sein Selbstmord, ist ein wütender Nachruf erschienen, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:
Gonzo ist tot – Ein wütender Nachruf
Ein Rückblick auf ein bewegtes Leben in Episoden
Als Autor Hunter S. Thompson am 20. Februar 2005 eine 45er Magnum an sich legte, war wohl der Spaß aus seinem Leben verschwunden. Denn nichts anderes war die Antriebsfeder seines Lebens und was er unter Spaß verstand, definierte er seit Ende 1950 immer wieder neu. Ob als Sportreporter in Südamerika oder als „Raoul Duke“ mit Drogen-geschwängerten Reportagen für das „Rolling Stone-Magazin“, Thompson verstand sich als Vertreter des „New Journalism“ (Neuer Journalismus, Anmerkung der Redaktion) und galt als dessen bester Chronist. Was mag er sich gedacht haben in dem Moment, als er abdrückte?
Ich schreibe, also bin ich
Da bin ich also und denke an mein Leben zurück. Es war doch verständlich, im Rückblick. Alkohol, Waffen, Drogen und das Wort. Mehr habe ich nie benötigt und mehr habe ich auch nie verlangt. Was habe ich dafür bekommen? Ich sitze in einem Haus, knapp zweitausend Meter über dem Meeresspiegel. Hoch erhoben in den Rocky Mountains. Meinen Eltern hätte dieses Ende gefallen, der Sohn gebildeter Menschen erkennt am Ende die Nutzlosigkeit seines Lebens. Nein. Tom Wolfe hatte Recht, der objektive Journalismus ist in Langeweile erstarrt und wir waren die Vorkämpfer einer neuen Bericht-Erstattung. Was zum Teufel kümmert mich das Wohlbefinden von Richard Nixon? Sein Arsch wurde von mir aus dem Amt des Weißen Hauses befördert. Watergate hätte es ohne mich nie gegeben! Wenn die Darstellung der Realität nicht funktioniert, benötigt der intelligente Aufdecker Fiktion.
Wir haben all unsere Idole verloren, was bleibt dann noch?
Wieder liege ich nicht in meinem Bett, wie selten habe ich doch in einem Bett geschlafen. Ich hatte nie Zeit dafür, es gab immer genug zu tun. Die Drogen-Szene verstand keiner dieser konservativen Ärsche in den Redaktionen. Wie denn auch? Keiner von ihnen hatte jemals das Zeug probiert. Es ist nötig sich mit den Themen auseinander zu setzen, um darüber zu schreiben und sei es nur, um einfach zugeknallt zu sein. Kolumnen schreiben sich am besten mit einer Line Koks und einer Flasche Whisky, Marke „Chivas Regal“. Es war mit den „Hell’s Angels“ so und es verhielt sich auch in Las Vegas nicht anders. Wir befinden uns inmitten eines blutigen Kamikaze-Trips, der sich zweite Amtszeit George W. Bush nennt. Es herrscht Wahnsinn in jeder wahrnehmbaren Richtung.
Das Leben inmitten der Gegenkultur
So oder ähnlich könnten sich die letzten Zeilen eines Hunter S. Thompson lesen. Sein Leben lang begab er sich in Opposition, sei es im Journalismus, in der Literatur oder der Politik. Seine Sichtweise der Welt war mit den Ermordungen der Kennedy-Brüder und Martin Luther King, sowie dem Vietnam-Krieg für immer zerstört. Ein Amerika, das seine Unschuld verlor und auf dem schnellsten Weg in den Abgrund steuerte. Die Alternative war ein Leben in der, von der medialen Öffentlichkeit vernachlässigten, „Gegenkultur“. Subkulturen der Popmusik, alternative Sportarten und eine radikale Bericht-Erstattung im Angesicht der Politik. Über allem schwebte der Drogenrausch. Selbst als der amerikanische Schriftsteller, der mehr Cowboy als Literat war, durch Beinbrüche und Hüft-Verletzungen beinahe nicht mehr gehen konnte, widmete er sich flammenden Appellen gegen die Regierung des George W. Bush. Die Fassungslosigkeit über dessen neuerlichen Wahltriumph ist leicht nachzuvollziehen. Sein Kampf mit publizistischen Mitteln, weiterhin die Wurzeln seines „Gonzo-Journalismus“ in die Öffentlichkeit zu tragen, machten ihn zu einem tragischen Rockstar der Szene. Ein Mann der niemals aufgab, bis er den Spaß am Leben verlor. Seine wenigen engen Freunde, unter anderem Bob Dylan, Keith Richards oder Johnny Depp, werden dem Exzentriker ihre Ehre erweisen, wenn seine Asche per Kanone in den Himmel geschossen wird. Darauf einen Whisky.
Und am Ende das weiße Licht
Ich hab schon die ganze Zeit darauf gewartet, der Lichttunnel, das weiße Licht. Am Ende jeder Reise bewegen wir uns darauf zu, als ob es irgendeinen religiösen Hintergrund hätte und als ob ich es nicht schon ein paar Mal sehen durfte. Befindest du dich in Agonie, dann siehst du es, dann hat dich dein Körper aufgrund von Sauerstoff-Mangel ausgetrickst und dein Gehirn gaukelt dir eine hübsche Welt vor, in die es einzutreten gilt. Nun denn, was soll’s. Ich verpiss mich jetzt, denn ich hab noch nie einen Flug verpasst.
Am interessantesten finde ich aber seine politischen Ambitionen:
In den 1970er Jahren wandte sich Thompson verstärkt der Politik zu. 1970 kandidierte er als Sheriff in Aspen, Colorado. Thompson verlor die Wahl nur knapp, obgleich er von einer “Freak-Plattform” unterstützt wurde und sein Wahlprogramm für die Zeit recht extreme Forderungen enthielt, ua. die Legalisierung von Drogen, die Umwandlung aller Straßen zu Radwegen, und die Umbenennung von Aspen in “Fat City”. Vor einer Wahlrede ließ er sich einmal eine Glatze scheren, um dann auf derselben seinen republikanischen Gegenkandidaten als “Langhaarigen Hippie” zu bezeichnen.
Ich denke, in Zeiten konservativer Jugendbewegung, Ausgrenzung und Kurzsichtigkeit würde uns jemand wie Thompson gut tun. Hunter, du wirst mir fehlen!